Medizinischer Ratgeber von Dr. Ästhet Balani – Stuttgart-Feuerbach
Was ist Botox und wie wirkt es?
Der Begriff „Botox“ wird umgangssprachlich für Behandlungen mit Botulinumtoxin verwendet. Botulinumtoxin Typ A ist ein Arzneimittel, das die Signalübertragung zwischen Nerven und bestimmten Muskeln vorübergehend hemmt. Dadurch kann sich die Aktivität ausgewählter Gesichtsmuskeln reduzieren.
Besonders geeignet kann diese Behandlung bei sogenannten dynamischen Falten sein. Diese entstehen durch wiederholte Muskelbewegungen, beispielsweise beim Stirnrunzeln, Hochziehen der Augenbrauen oder Lachen.
Nicht jede Gesichtsfalte ist jedoch eine dynamische Falte. Wenn eine Linie auch bei vollständig entspannter Gesichtsmuskulatur deutlich sichtbar bleibt, können zusätzlich Hautalterung, UV-Schäden, Volumenverlust oder eine veränderte Hautstruktur beteiligt sein.
Wichtig: Botulinumtoxin behandelt nicht alle Ursachen der Gesichtsalterung. Die richtige Behandlung hängt davon ab, wodurch die jeweilige Falte entsteht.
Welche Falten können behandelt werden?
Häufige Behandlungsregionen sind:
- Zornesfalte: senkrechte Linien zwischen den Augenbrauen.
- Stirnfalten: horizontale Linien, die beim Anheben der Augenbrauen entstehen.
- Krähenfüße: feine Falten seitlich der Augen, die beim Lächeln deutlicher werden.
Welche Region behandelt werden sollte, muss individuell beurteilt werden. Beispielsweise kann eine ausgeprägte Stirnaktivität teilweise dazu dienen, ein Oberlid mit Hautüberschuss auszugleichen. Eine zu starke Schwächung bestimmter Muskeln kann dann die Augenbrauenposition oder das Erscheinungsbild der Oberlider ungünstig beeinflussen.
Das Ziel sollte deshalb nicht sein, sämtliche Muskelbewegungen auszuschalten. Vielmehr geht es um eine passende Balance zwischen Faltenreduktion, natürlicher Mimik und individueller Gesichtsanatomie.
Was sagt die wissenschaftliche Forschung?
Der Cochrane-Review von Camargo und Kollegen untersuchte 65 randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 14.919 Teilnehmenden. Für bestimmte Behandlungen der Zornesfalte zeigte sich gegenüber Placebo eine bessere Faltenreduktion. Die Autoren weisen zugleich auf Unterschiede zwischen Studien und auf Unsicherheiten bei einzelnen Sicherheitsendpunkten hin.
Die Ergebnisse lassen sich nicht uneingeschränkt auf jede Gesichtspartie, jedes Präparat oder jedes Dosierungsschema übertragen.
Quelle: Camargo CP et al. Botulinum toxin type A for facial wrinkles. Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34224576/
Wann setzt die Wirkung ein und wie lange hält sie?
Die Wirkung entwickelt sich normalerweise nicht unmittelbar nach der Injektion. Erste Veränderungen können in den folgenden Tagen sichtbar werden; das Ergebnis wird im Verlauf der nächsten ein bis zwei Wochen besser beurteilbar.
Die Haltbarkeit ist individuell verschieden. Sie hängt unter anderem von der behandelten Region, der Muskelaktivität, dem verwendeten Präparat und der individuellen Reaktion ab. Eine Wirkung über mehrere Monate ist typisch, eine feste Haltbarkeit kann jedoch nicht garantiert werden.
Wer eine möglichst natürliche Mimik erhalten möchte, sollte das Behandlungsziel vorab mit dem behandelnden Arzt besprechen.
Welche Risiken gibt es?
Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören:
- vorübergehende Schmerzen, Rötungen oder kleine Blutergüsse an den Injektionsstellen;
- Kopfschmerzen oder ein Druckgefühl;
- eine unerwünschte Asymmetrie;
- eine vorübergehende Absenkung des Oberlids oder der Augenbraue;
- selten weitere unerwünschte Wirkungen, abhängig von Präparat, Dosierung und Behandlungsregion.
Die individuelle Risikoeinschätzung hängt von der medizinischen Vorgeschichte, den anatomischen Gegebenheiten und der fachgerechten Durchführung ab.
Vor einer Behandlung sollten unter anderem relevante Vorerkrankungen, Medikamente, frühere Reaktionen auf Botulinumtoxin und mögliche Kontraindikationen besprochen werden. Während Schwangerschaft und Stillzeit wird eine rein kosmetische Behandlung üblicherweise nicht durchgeführt, da ausreichende Sicherheitsdaten fehlen.
Bei ungewöhnlichen oder ausgeprägten Beschwerden nach einer Behandlung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. Bei Atem- oder Schluckbeschwerden ist eine sofortige medizinische Abklärung erforderlich.
Was ist, wenn Botox nicht ausreichend wirkt?
Ein unbefriedigendes Ergebnis bedeutet nicht automatisch, dass eine höhere Dosis sinnvoll ist. Mögliche Ursachen sind beispielsweise:
- Die Falte ist überwiegend statisch und nicht allein muskelbedingt.
- Die Wirkung wurde zu früh beurteilt.
- Die Zielmuskulatur oder die anatomischen Verhältnisse wurden nicht optimal berücksichtigt.
- Die individuelle Reaktion auf die Behandlung ist geringer als erwartet.
- In seltenen Fällen können neutralisierende Antikörper eine Rolle spielen.
Bei ausbleibender Wirkung sollte zunächst eine erneute ärztliche Beurteilung erfolgen. Eine vorschnelle Nachinjektion ohne ausreichende Ursachenklärung ist nicht grundsätzlich sinnvoll.
Welche Alternativen gibt es?
Je nach Ursache und Behandlungsziel kommen unterschiedliche Möglichkeiten infrage:
- Hautpflege und konsequenter Sonnenschutz: wichtig zur Vorbeugung weiterer lichtbedingter Hautalterung.
- Retinoide: können bei bestimmten Hautalterungszeichen helfen; Auswahl und Anwendung müssen zur Haut und zur individuellen Situation passen.
- Hyaluronsäure-Filler: können bei ausgewählten statischen Falten oder Volumenverlust eine Option sein, sind aber kein direkter Ersatz für Botulinumtoxin.
- Laser- und Peelingverfahren: können je nach Indikation Hauttextur, Pigmentveränderungen oder bestimmte andere Hautmerkmale verbessern.
- Abwarten oder Nichtbehandlung: ist ebenfalls eine legitime Entscheidung, wenn Nutzen und mögliche Risiken nicht zum persönlichen Ziel passen.
Nicht jede Kombination ist sinnvoll. Entscheidend ist, welches Problem tatsächlich behandelt werden soll.
Wie entscheidet man sich für die richtige Behandlung?
Eine gute Beratung beginnt mit drei Fragen:
- Welche Veränderung stört mich konkret?
- Welche anatomischen oder biologischen Ursachen hat sie?
- Welcher realistische Nutzen steht welchen Risiken, Kosten und Ausfallzeiten gegenüber?
In der ärztlichen Beratung sollten außerdem mögliche Alternativen, die zu erwartende Haltbarkeit und der Umgang mit einem unerwünschten Ergebnis besprochen werden.
Fazit
Botulinumtoxin kann bei geeigneten dynamischen Gesichtsfalten eine wirksame Behandlung sein. Es ist jedoch kein universelles Mittel gegen sämtliche Falten oder Hautalterungszeichen. Eine individuelle Untersuchung und ein zurückhaltendes, anatomisch angepasstes Behandlungskonzept sind wichtiger als eine möglichst hohe Dosis oder die Behandlung möglichst vieler Gesichtspartien.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlungsempfehlung.
Über den Autor: Dr. Ästhet Balani, Praxis für ästhetische Medizin, Stuttgart-Feuerbach.
Weiterführend: Informationen zu den angebotenen Behandlungen, zum Ablauf einer Beratung und zu den jeweiligen Kosten finden Sie auf den entsprechenden Behandlungsseiten der Praxis.







